Anerkennung

bbz landschaftsarchitekten berlin gmbh, Berlin

Verfasser:in

Dipl.-Ing. Timo Herrmann,
Landschaftsarchitektur

Mitarbeit

Findus Reinkober
Marc Leppin
Malte Stellmann
Luisa Richter-Wolf
Duygu Demir

Perspektive Sportpark

Perspektive Bürgerpark

Lageplan Gesamtareal

Lageplan Vertiefungsbereich Sportpark

Lageplan Vertiefungsbereich Bürgerpark

Beurteilung des Preisgerichts

Die VerfasserInnen definieren drei Landschaftstypen: Auenlandschaft, Kulturlandschaft und Sportpark und legen diese als klar abgegrenzte neue Zonierung vom Main kommend von West nach Ost über die Fläche des zukünftigen Parks. Die Jury begrüßt die Haltung, Strukturen des Bestandes weiterzuentwickeln und als erlebbare Themen auf die Fläche zu bringen. Bei der räumlichen Umsetzung wird diskutiert, ob die Aue sich nicht stärker entlang der wasserführenden Bäche und Gräben und der damit hydrologisch verbundenen Flächen entwickelt müsste, um die Vegetation auch zukünftig an eine natürliche Wasserversorgung zu koppeln. Auch wird bedauert, dass das schöne Auenthema nur direkt angrenzend an die Staatsstraße entwickelt wird und die Aufenthaltsqualität mit den dort geplanten Holzterrassen und Holzpodeste mit der starken Lärmbelastung kollidiert.

Zentraler Gedanke der Arbeit ist die Stärkung und Aktivierung des Sportparks in direktem Umfeld der bestehenden Sportanlagen. Hier werden attraktive neue Angebot für Tischtennis, Basketball und Beachvolleyball gemacht, der Bike Park wird mit Sitzstufen erweitert und um einen Spielplatz ergänzt. So entsteht ein räumlich konzentrierter und zusammenhängender Sportpark um die bestehende Sporthalle. Die räumliche Anordnung der neuen Sportflächen kann die Jury nicht vollumfänglich überzeugen, da sich die rasterartigen, geometrischen Formen wenig mit der Umgebung verzahnen und damit eher trennend wirken als sich mit dem restlichen Park zu verbinden. Auch liegt ein großer Teil für den Freizeitsport auf überwiegend privaten Flächen.

Die Zufahrt zur Sporthalle, den Parkplätzen und zum Verkehrsübungsplatz und deren Lage bleiben fast unverändert. Dies wird als wirtschaftliche Lösung gewürdigt, dennoch vermisst die Jury eine Attraktivierung der Adressbildung und die Chance, das Ankommen im neuen Park von einer reinen Verkehrserschließung zu trennen und für alle Altersgruppen fußläufig und mit dem Rad sicher zu gestalten. Die zentrale Bündelung des Sportangebots wird als effizient für die Umsetzung und Sportförderung angesehen, dennoch wünschen sich die Bürger und BürgerInnen eine etwas flächigere Verteilung im gesamten Park oder punktuelle weitere Angebote in der Fläche, so dass die Spazierwege eine Aktivierung für jedes Alter erhalten.

Als Akzente in der Fläche setzten die VerfasserInnen 4 Aussichtstürme, die plattformartig über Treppen einen etwas erhöhten Blick bieten. Das ansprechend gestaltete Element kann im Detail aber nicht in seiner additiven Setzung überzeugen, denn es gibt beispielsweise durch die Topografie natürliche Aussichtspunkte, die genutzt und betont werden könnten. Hier vermisst die Jury eine auf den Ort eingehende Stärkung, die z.B. auf die Bachläufe, die Biotopstrukturen oder die Kulturlandschaft eingeht und ungezwungene Treffpunkte anbietet.

Gut gelingt die Gestaltung eines neuen Schwerpunktes mit zusätzlichen Spiel-, Bewegungs- und Aufenthaltsflächen an der Erich-Kästner-Schule und St. Martin-Schule sowie der Grund- und Mittelschule. Es entstehen kurze Wege für alle SchülerInnen , das grüne Klassenzimmer ist sehr gut erreichbar. Das bestehende Wegenetz wird sehr weitläufig und großzügig im Grundraster des Bestandes in Anlehnung an die landwirtschaftliche Nutzung ergänzt, und sinnhaft in die Siedlungsbereiche verzahnt. Kritisch diskutiert wird, ob zusätzliche Wegestrecken entlang der Staatsstraße einen qualitativen Mehrwert bieten und ob die durchgehend sehr gradlinige Wegeführung punktuell gebrochen werden könnte. Bis auf die Zufahrt zur Halle und zum Parkplatz sind alle Wege als wassergebundene Wegedecke geplant. Dies wirft Fragen zur barrierefreien Nutzung und zur gewünschten multikodierten Nutzung einzelner Teilstrecken beispielsweise mit Rollern oder Rollschuhen auf. Die Eingänge in den Park werden in den Übergängen zum Bestand leider nicht entwickelt. Die zusätzliche Unterführung in Richtung Mainufer wird für den Entwurf als sinnhaft gewürdigt. Die zeitnahe Realisierung ist allerdings in Frage gestellt.

Die Arbeit gibt skizzenhaft Auskunft über eine Transformation von Kulturlandschaft in naturnahe Wiesen und Auen und die Erhöhung der Artenvielfalt, tiefergehende Aussagen zur Vegetation und Stärkung der Biodiversität werden dabei über die textliche Nennung hinaus vermisst. Die neuen Gehölzstrukturen in der freien Landschaft werden positiv bewertet, auch wenn die Setzung und Verteilung nicht überall überzeugend gelingt und noch etwas fragmentarisch wirkt.

Die Jury würdigt den Beitrag als interessanten Beitrag, die bestehenden Strukturen weiterzuentwickeln und naturräumlich klar abgegrenzte Teilräume zu gestalten. In der Umsetzung kann die Arbeit dennoch nur in Teilen die gewünschte Kraft für die individuellen Orte aufzeigen.

 

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