2. Preis

POLA Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

Verfasser:in

Jörg Michel, Landschaftsarchitekt

Mitarbeit

Théo Pietronave
Fabiha Fairooz

Hilfskräfte

Christian Marrero,
Rendercircle (Visualisierungen)

Perspektive Sportpark

Perspektive Bürgerpark

Lageplan Gesamtareal

Lageplan Vertiefungsbereich Sportpark

Lageplan Vertiefungsbereich Bürgerpark

Beurteilung des Preisgerichts

Die Verfassenden wählen das Leitmotiv der Sicker- und Feuchtwiesen in Verbindung mit einem Auwald, der die vorhandenen Gewässer begleitet. Der Planungsraum wird durch zwei in Ost-West-Richtung verlaufende Auwaldbänder mit dem Main verbunden. Diese konzeptionell überzeugende Idee ist aus dem Landschaftsbild der Zuflüsse zum Main abgeleitet und überzeugt damit durch Ortsbezug und Identitätsbildung. Das Bild der Ost-West-Spange, die durch die schattigen, feuchten Waldbänder gebildet wird, überzeugt als Angebot wie der vorhandene Landschaftsraum umgebaut werden kann. Die heute eher gleichförmige Landschaft, die zudem kaum Bewegungs- und Aufenthaltsflächen im Schatten anbietet wird damit deutlich aufgewertet. Die vorgefundene Heterogenität der zerschnittenen Freiräume wird mit einer kraftvollen Geste zu einem großen Ganzen verbunden.

Zwischen den Auwaldbändern bilden sich Lichtungen aus, in die die bestehenden Sportflächen eingebettet sind. Im nördlichen, entlang des Sickerbaches aufgespannten Waldzuges sind zudem der umgebaute Parkplatz, Verkehrsübungsplatz und neue Sportangebote eingebunden. Ob die Kraft des eher als lichter Hain dargestellten Auwaldes jedoch ausreicht, die vereinzelt liegenden Flächen zusammenzubinden wird bezweifelt. Das vorgeschlagene Wegenetz ist vergleichsweise dicht, die angebotenen Verbindungen sind jedoch größtenteils richtig gewählt. Die zusätzliche Unterführung in Richtung Main überzeugt als Angebot, das Gelingen des neuen Bürgerparks ist jedoch nicht von ihrer Realisierung abhängig. Die Folies sind zurückhaltend gestaltet und richtig platziert, etwaige Bedenken bezüglich der Realisierbarkeit z.B. des Café-Pavillons schaden der Grundidee nicht.

Für die Flächen im Ideenteil, Verladeplatz und Trittstein ebenfalls Wald vorgeschlagen, weitere Nutzungsangebote werden vom Preisgericht vermisst. Die vorgeschlagenen Sportangebote stellen gute Ergänzungen des vorhandenen Programms dar, insbesondere das ergänzende Angebot am Bikepark, insgesamt jedoch liegen die Sportnutzungen quantitativ im Vergleich im unteren Bereich.

Leider liefern die Vertiefungsbereiche keine weiteren Informationen zur landschaftsarchitektonischen Ausgestaltung. Insbesondere zur Qualität der Unterpflanzung des Hains und damit zur räumlichen Ablesbarkeit der Waldgrenze, sowie zum Zusammenhang zwischen Topografie und Vernässung, zu Materialität und Pflanzen vermisst das Preisgericht bewertbare Aussagen. Ob aus den schmalen Bächen tatsächlich ein Auwald generiert werden kann, wird kritisch diskutiert. Zudem zeigen die Visualisierungen weniger einen nassen Wald, sondern eher lichte Haine mit in der Krautschicht für Picknick und Spiel nutzbaren Wiesenflächen. Kritisch wird die lange Zeitspanne diskutiert, die es dauert, bis der Auwald seine räumliche und atmosphärische Wirkung entfaltet.

Zusammenfassend stellt die Arbeit im Hinblick auf den notwendigen Umbau von Stadt und Landschaft in Richtung zu mehr Klimaresilienz einen wichtigen Diskussionsbeitrag dar. Viele Bäume zu pflanzen offenbart eine konsequente Haltung und stellt eine weitsichtige Vorgehensweise für die Stadt- und Landschaftsentwicklung dar. Diese Baumpflanzungen entlang der vorhandenen Gewässer einzusetzen ist angemessen aus dem Landschaftsraum entwickelt. Letztlich bleibt die Arbeit jedoch in der Durcharbeitung hinter den geweckten Erwartungen zurück.

 

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